Namensgeber

Namensgeber

Der Name der Schule

Am 20. Juni 2010 wurde das Förderzentrum Wolfgang in die Elisabeth- Schmitz- Schule umbenannt.
Dr. Elisabeth Schmitz (1893 – 1977)
Studienrätin, Gegnerin des NS-Regimes, Gerechte unter den Völkern

Elisabeth Schmitz wurde am 23. August 1893 in Hanau als Tochter von August Schmitz, Professor an der Hohen Landesschule, und Marie Bach geboren. Nach dem Abitur an der Schillerschule in Frankfurt studierte sie von 1914 bis 1920 an den Universitäten Bonn und Berlin Geschichte, Deutsch und evangelische Religion. 1920 folgte die Promotion bei dem renommierten Historiker Friedrich Meinecke. Nach dem Staatsexamen 1921 in Berlin wurde sie wissenschaftliche Hilfsarbeiterin, ab 1923 war sie als Lehrerin an verschiedenen Berliner Schulen tätig.
Seit 1934 Mitglied der Bekennenden Kirche Berlin, unterhielt sie regen Kontakt zu Franz Hildebrandt, Helmut Gollwitzer, Karl Barth und Anna von Gierke. 1935 ließ sie sich wegen ihrer radikalen Ablehnung des Nationalsozialismus im Schuldienst versetzen und schied nach den Novemberpogromen 1938 gegen die jüdische Bevölkerung auf eigenen Antrag aus der Lehrtätigkeit aus: „Es ist mir in steigendem Maße zweifelhaft geworden, ob ich den Unterricht bei meinen rein weltanschaulichen Fächern Religion, Geschichte und Deutsch so geben kann, wie ihn der nationalsozialistische Staat es von mir erwartet und fordert.“ Bereits 1934, ein Jahr nach der Machtergreifung Hitlers, mahnte sie in einem Schreiben: „Sollten Gesetze, wie sie heute sind, längere Zeit bestehen bleiben, so würde dies das glatte Todesurteil bedeuten für Hunderttausende von Menschen, vielleicht für Millionen.“ 1935 legte sie im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ihre 19-seitige Denk- schrift „Zur Lage der deutschen Nichtarier“ vor. In dem Papier dokumentiert sie unzählige Beispiele von Judendiskriminierung. Nach der Verkündigung der Nürnberger Rasse-Gesetze verfasste sie einen Nachtrag. Zitat: „Es ist keine Übertreibung, wenn von dem Versuch der Ausrottung des Judentums in Deutschland gesprochen werden muss!“ Es handelt sich hierbei um eine der klarsten zeitgenössischen Analysen des verbrecherischen NS-Regimes. Elisabeth Schmitz half aktiv jüdischen Freundinnen und Freunden.
Die Ärztin Dr. Martha Kassel, die 1933 ihre Praxis und damit ihre Existenzgrundlage verliert, nahm sie bis zu deren Emigration im Dezember 1938 bei sich auf. Wegen dieser Wohngemeinschaft wurde Schmitz 1937 vom Blockwart der NSDAP denunziert und von der Partei vernommen. Es sind weitere praktische Hilfen für jüdische Bekannte belegt, u. a. durch Versteck in ihrem Wochenendhaus „Pusto“ in Wandlitz. Verschwie-genheit und Klugheit bewahrten sie vor Internierung. 1943 kehrte Dr. Elisabeth Schmitz nach Hanau zurück und nahm 1946 wieder das Lehramt am Realgymnasium für Mädchen, der späteren Karl-Rehbein-Schule, auf. 1958 wurde sie als Oberstudienrätin pensioniert. Bis zu Ihrem Tode am 10. September 1977 in einem Krankenhaus in Offenbach arbeitete Dr. Elisabeth Schmitz engagiert im Hanauer Geschichtsverein.
Im Jahre 2005 wurde ihr auf dem Hanauer Hauptfriedhof ein Ehrengrab gewidmet. 2011 erhielt sie von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem postum den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“.                                                      


Text: Martin Hoppe, Foto: Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V. / Stadtarchiv Hanau






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